Pressemeldungen 2013

Reden über Abtreibungen: Warum Fakten weiterhelfen


Seit dem Aufdecken des skandalösen Vorgehens einer Wiener Ärztin bei Abbrüchen wird endlich wieder über das Thema geredet. Leider aber zu wenig darüber, wie Frauen eine solche Situation erspart werden könnte. Dazu bräuchten wir Daten und Fakten über Schwangerschaftsabbrüche. Doch Österreich verfügt weder über eine Statistik noch über regelmäßige Motivenforschung. 

 

In Österreich besteht ein gewisser Grundkonsens, dass ein Schwangerschaftsabbruch nichts ist, was sich eine Frau prinzipiell wünscht.  Zudem geht es dabei immer auch um ein Kind, das dabei sein Leben verliert und nicht um einen „Dottersack“, wie mitunter zu lesen ist.

 

Ich kann daher schwer nachvollziehen, warum sich die österreichische Politik nicht für Abtreibungen interessiert, also keine Datenerhebung will. Unter anderem mit dem Argument, man dürfe es den Frauen nicht noch schwerer machen. Träfe dies  zu, so würde es einen Aufschrei der Frauen in Deutschland, der Schweiz, England, den Niederlanden, Schweden usw. geben:  Denn all diese Länder verfügen über Daten! Die Meldepflicht über Abbrüche liegt bei den ÄrztInnen. Forschungen über Motive beruhen auf freiwilliger Mitarbeit betroffener Frauen.


Viele Frauen würden gerne über ihre Erfahrung sprechen. Das allgemeine Schweigen darüber schadet. Es fördert den Eindruck, dass Schwangerschaft und Verhütung etwas sind, mit dem Frauen allein zurechtkommen müssen und deren Folgen sie allein zu tragen haben.

Umstände, die zu Abbrüchen führen, sind unter anderen: Prekäre Arbeitsverhältnisse oder dass schwangere Frauen von ihrem Partner und ihrer Familie verlassen werden. Dass der Vater ihres Kindes abgeschoben wird. Dass sie mit einem weiteren Kind ihre anderen Kinder nicht mehr versorgen können. Dass sie nicht über spezialisierte Beratungsstellen  und mögliche Unterstützungen informiert wurden. Dass sie schlicht nicht gefragt wurden vor dem Abbruch, was sie denn eigentlich wirklich wollen.
Zu fordern, den Abbruch aus dem Strafgesetzbuch zu nehmen, ist wesentlich bequemer, als die Umstände zu verändern. Nämlich dahingehend, dass Frauen, die in schwierigen Situationen schwanger werden, ihr Kind auch bekommen und langfristig ein gutes Leben mit ihm führen können.  Oder intensive Begleitung bereit zu stellen, um Ängste und Belastungen aufzuarbeiten.


All dies würde den Begleitmaßnahmen zur Fristenregelung wie „verstärkte Aufklärung über Empfängnisverhütung, Ausbau und Propagierung von Familienberatungsstellen“ entsprechen. Ausdrücklich waren sie als „positive Maßnahmen zum Schutze des werdenden Lebens“ gemeint.

Einstimmig beschlossen wurden sie am 29. November 1973, und zwar „angesichts der Tatsache, dass der Schwangerschaftsabbruch weder eine gesellschaftlich wünschenswerte noch eine medizinisch empfehlenswerte Methode der Geburtenregelung“ ist (Zitate aus dem Entschließungsantrag). 

Bruno Kreisky erklärte an diesem Tag,  dass „man alles, wirklich alles tun muss, um den Menschen die Möglichkeit zu geben, Kinder zu haben“. 
Die Fristenregelung stellen wir nicht zur Debatte. Aber positive Maßnahmen für Frauen, Kinder und Familien - abgeleitet von seriösen Erhebungen von Daten und Fakten zum Abbruch - brauchen wir dringend.

 

Gastkommentar unserer Generalsekretärin Mag. Martina Kronthaler in "Die Presse", 29. Juli 2013

 

DANKE

 
 

IMMER INFORMIERT

Jetzt gratis die aktion leben-Zeitung abonnieren!

Unser Informationsblatt:

Jetzt gratis abonnieren!

aktion leben österreich
A-1150 Wien, Diefenbachgasse 5/5
T: +43.1.512 52 21 | F: +43.1.512 52 21-25 | E: info@aktionleben.at
Newsletter abonnieren
Darstellung: