Burschen und Mädchen in einer Schule (© fotolia.com)
Grundsatzerlass Sexualpädagogik

Stellungnahme zum Rundschreiben Nr. 5/2019 des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung

 

Wir schließen uns in der aktuellen sexualpädagogischen Diskussion im Zuge des obengenannten Rundschreibens der aktuellen Stellungnahme des ISP (https://sexualpaedagogik.at/wp-content/downloads/Stellungnahme%20zum%20Rundschreiben.pdf) an und streichen für uns besonders relevante Positionen explizit heraus.

 

Einbeziehung von ExpertInnen in die Diskussion
Für die aktuelle Diskussion zur Sexualpädagogik an österreichischen Schulen wäre es tatsächlich wünschenswert, wenn einige der vielen kompetenten Fachkräfte zur Sexualpädagogik in die Diskussion einbezogen würden, und doch wird dieses komplexe und gesellschaftlich heikle Thema von fachfernen Personen diskutiert, bewertet und eingeschränkt: Es wird höchste Qualität gefordert, kosten darf es aber nichts. Es sollen LehrerInnen unterrichten oder zumindest anwesend sein, die mit ihrem „Alltagsunterricht“ genug gefordert sind und aufgrund ihres Naheverhältnisses und des täglichen Umgangs mit den SchülerInnen andere Voraussetzungen mitbringen.

 

Fachwissen und Reflexion notwendig
Unter den LehrerInnen besteht ein Bewusstsein dafür, dass Sexualpädagogik nicht „irgendein“ Fachgebiet ist, in das man sich „eben schnell einlesen“ kann – sondern eine pädagogische Grundhaltung in Verbindung mit differenziertem Fachwissen und persönlicher Reflexion darstellt. Aus diesem Grund wurden und werden die einzelnen Fachstellen und ihre SexualpädagogInnen auch von den Schulen gebucht.

 

Des Weiteren ist den LehrerInnen die Sensibilität des Themenbereichs klar und dass ihre Anwesenheit bei einem sexualpädagogischen Workshop (vor allem in der Pubertät) Auswirkungen haben kann, etwa in einer starken Einschränkung im Erleben der offenen Gesprächskultur.

 

Arbeiten innerhalb eines Netzes
Sexualpädagogisches Agieren kann als Arbeiten innerhalb eines sexualpädagogischen Netzes verstanden werden. Dabei haben Eltern, Bezugspersonen, Lehrkräfte, KinderärztInnen, SozialarbeiterInnen und viele andere Berufsgruppen bestimmte pädagogische Aufgaben ihrer Rolle entsprechend zu erfüllen.

 

Jede Person hat eine andere Rolle und damit eine andere Aufgabe für das Kind. Eltern zeigen ihren Kindern von Geburt an ihre Werthaltungen durch Vorbildwirkung. Es sind auch die Eltern, die die Kinder darin unterstützen können, einen positiven Bezug zu sich selbst und zum eigenen Körper zu entwickeln.

 

Besondere Rolle der Lehrkräfte
Auch LehrerInnen haben eine besondere (und begrenzte) Rolle ihren SchülerInnen gegenüber. Als Lehrkraft können andere Themen angesprochen werden als in der Rolle als Vater/Mutter. LehrerInnen geben aber auch Noten und bewerten daher.

 

Das Bewusstsein, dass jede Rolle gewisse Möglichkeiten aber eben auch Grenzen mit sich bringt, ist notwendig, da sonst Grenzüberschreitungen passieren. Das Brechen der Vertraulichkeit bei sexualpädagogischen Workshops, indem LehrerInnen zur Anwesenheit gezwungen werden sollen, ist zum Beispiel als grenzüberschreitend anzusehen.

 

SexualpädagogInnen können aufgrund spezifischer Fachkenntnisse und spezieller („Außenseiter“-) Rolle explizit Gespräche zum Thema Sexualität für Gruppen anbieten und stehen auch gerne zur Verfügung, wenn Eltern, LehrerInnen … Fragen zu diesem Themenbereich haben.

 

Qualitätssicherung in der Sexualpädagogik
Eine konstruktive Zusammenarbeit aller Personen, die im (sexual)pädagogischen Netz tätig sind, ist wünschenswert. Eine Wertschätzung und fachliche Anerkennung unterschiedlicher pädagogischer Möglichkeitsrahmen ist Voraussetzung, um Angebote im Sinne der Zielgruppe stellen zu können.

 

Es ist in höchstem Maße irritierend, dass in der aktuellen Diskussion weder die spezifischen Kenntnisse der diversen Fachstellen gefragt sind, noch das Einhalten bestimmter pädagogischer Grenzen aufgrund der Rollenbeschreibungen mitbedacht wird.

 

Das Thema Sexualität wird wohl als brisant erkannt, es scheint dennoch unwichtig zu sein, ob nun eine fachliche Kompetenz vorliegt oder nicht. In erster Linie soll es nichts kosten – und damit ist die Auswahl sehr begrenzt und die Qualität stark in Frage gestellt.

 

Schulen brauchen die Wahl

Damit Schulen eine für sie passende Auswahl treffen können, braucht es mehr Schulautonomie und dies auch in budgetärer Form. Denn solange Schulen kein Geld haben, um fachkundige externe Anbieter buchen zu können, sind sie darauf angewiesen, ihre Auswahl aufgrund des Kostenfaktors zu treffen.

 

Es sollte den LehrerInnen wieder zugetraut werden, dass sie fähig sind auf einer professionellen Ebene zu entscheiden, ob ein Projekt als passend für ihre Klasse eingestuft werden kann oder nicht. Darum sollten diese LehrerInnen auch die Möglichkeit haben, autonom aus einem vielfältigen Angebot zu wählen.

 

Sexualpädagogik an sich soll und muss Vielfalt präsentieren. Es ist ebenso richtig, dass diese Vielfalt in einem bestimmten Rahmen stattfinden muss – einem Rahmen, der die Menschenrechte ernst nimmt und jegliche Form von Diskriminierung und Ausschluss ablehnt.

 

In diesem Sinne wollen wir auch künftig mit einer offenen, freudvollen und behutsamen Arbeitsweise in der Sexualpädagogik tätig sein und freuen uns auf weitere qualitätsvolle Workshops!

 

>> Stellungnahme zum Download

 

Kontakt:

Ines Pratter

Leiterin der Bildungsabteilung

Tel. 01.512 52 21-28

E-Mail: ines.pratter@aktionleben.at

DANKE

 
 

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