Wien, 8. April 2010 – Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat Österreich unter anderem wegen des Verbots der Eizellspende gerügt. Mag.
Laut EGMR verstoße das österreichische Verbot der generellen Eizellspende und das Verbot der Samenspende für In-vitro-Fertilisationen gegen das Grundrecht auf Schutz der Familie und diskriminiere unfruchtbare Paare. Der Gerichtshof bezog sich in seinem Urteil lediglich auf jene Argumente, die von Österreich für die Verbote vorgebracht worden waren. „Der Prozess der Gewinnung der Eizellspenden und die damit verbundenen Risiken sind den Richterinnen und Richtern offenbar zu wenig bewusst“, kritisierte Kronthaler. „Es ist ethisch fragwürdig, seinen Kinderwunsch um den Preis der Gefährdung anderer Menschen durchsetzen zu wollen.“
Bevor eine Frau Eizellen spenden kann, muss sie tief reichende medizinische Eingriffe über sich ergehen lassen. Über Hormonpräparate wird ihr Körper dazu gebracht, mehrere Eizellen heranreifen zu lassen. Anschließend werden die Eizellen dem Körper entnommen. Die Belastung für den weiblichen Körper ist enorm, die gesundheitlichen Gefahren sind nach wie vor groß.
Der EGMR verweist darauf, dass bei jeder künstlichen Befruchtung Frauen dieser Prozedur unterzogen würden. Diesen Vergleich hält Kronthaler für unzulässig. Es sei nicht dasselbe, sich selbst diesen Eingriffen auszusetzen oder die Produktion von Eizellen auf diese Weise anderen Frauen zuzumuten. Der Europäische Gerichtshof leiste somit dem Gedanken Vorschub, Frauen müssten mit ihrem Körper für andere zur Verfügung stehen.
„In Europa hat sich längst ein Reproduktions-Tourismus entwickelt“, stellt Kronthaler fest. Was in einem Staat nicht möglich sei, werde in einem anderen durchgeführt. Das habe zur Folge, dass Frauen aus ärmeren Ländern für Eizellspenden bezahlt werden. Kronthaler: „Den künftigen Eltern der womöglich aus diesen gespendeten Eizellen gezeugten Kinder ist offenbar nicht klar, dass ihnen diese Frauen kaum aus Nächstenliebe zu einem Kind verhelfen wollen“, meint Kronthaler. „Sie tun es, weil sie um ihr Überleben kämpfen oder eine Ausbildung damit bezahlen. Und sie setzen dabei ihre Gesundheit und eigene Fruchtbarkeit
aufs Spiel.“ aktion leben österreich fordert daher ein europaweites Verbot jeglicher Kommerzialisierung von Eizellspenden.
Immer wieder wird argumentiert, Frauen würden ihren Schwestern, Töchtern oder Freundinnen auch ohne Bezahlung eine Eizelle spenden. „Wenn dieser Weg ermöglicht wird, steht das nächste Problem an“, erläutert Kronthaler. „Der soziale Druck auf die Frauen kann enorm steigen. Das kann bis zu Schuldzuweisungen für die Kinderlosigkeit eines bestimmten Paares gehen.“
„Die österreichische Regierung muss das Urteil anfechten“, verlangt Kronthaler. aktion leben österreich sei gerne bereit, die Erstellung von Argumentationsunterlagen zu unterstützen.