
„Gerade in der Schwangerschaft sind Frauen offen und sensibel für eigene vorgeburtliche Erlebnisse“, sagt Mag. Martina Kronthaler, Generalsekretärin der aktion leben österreich. „Sie erleben oft Gefühle, die sie selbst als Fötus im Leib ihrer Mutter erfahren haben. Oder es wiederholen sich Ereignisse, die ihrer Mutter widerfahren sind. Diese sind nicht immer positiv. Das ist mit ein Grund, warum wir die Bindungsanalyse für so wichtig halten.“ In der Bindungsanalyse können sich Mutter und Kind über innere Prozesse miteinander austauschen und Konflikte gelöst werden.
Der Frauenarzt und Psychotherapeut Dr. Rupert Linder zeigte anhand zahlreicher Beispiele auf, wie bedeutsam Belastungen in der Vorgeschichte der werdenden Mutter und deren Mutter für die aktuelle Situation sein können. „Frühe Belastungen prägen die Lebens- und Beziehungssituation mit. So kommen etwa Erwachsene häufig in die Situation einer ungewollten Schwangerschaft, wenn sie selbst in ihrer vorgeburtlichen Zeit bedrohliche Erlebnisse bewältigen mussten. Dieser Aspekt wurde in der Beratung lange Zeit außer acht gelassen.“ Dr. Linder hat einen Anamnesebogen entwickelt, der Fragen zum eigenen pränatalen Leben enthält. „Viele Frauen sind innerlich ergriffen, wenn sie sich mit den Fragen auseinandersetzen.“
In diesem Zusammenhang betont Linder, wie wichtig es in der Betreuung von Schwangeren sei, fünf Ebenen im Kopf zu haben: die quantitative, qualitative und empathische Ebene, das Erfahrungswissen der Berufsgruppen sowie der kulturpsychologische Vergleich. „Bleiben eine oder mehrere Ebenen unberücksichtigt, kommt es zu erheblichen Defiziten in der Begleitung“, so Linder.
Die Psychologin und Psychotherapeutin Dr. Helga Blazy regte an, bei einem Konflikt die Familiengeschichten der schwangeren Frau und ihres Partners nachzufragen: Wie war das bei meiner Schwangerschaft oder Geburt? „In einem Fall hatte eine schwangere Frau in der 28. Woche Blutungen. In der Therapie hat sich herausgestellt, dass dies genau der Geschichte ihrer Mutter entsprach.“
Wenn eine Schwangerschaft schwierig verläuft, geht es oft um innere Schwierigkeiten zwischen ganzen Familien. Sie eskalieren mit dem neuen Kind. „Viele Familien schweigen über Fehl- und Totgeburten oder über Schwangerschaftsabbrüche. Diese berühren jedoch ein nachfolgendes Kind stark. Die Bindungsanalyse kann helfen, diese Kette zu durchbrechen“, so Blazy.
Die Bindungsanalyse findet vor der Geburt statt. Ziel ist, dass sich Mutter und Kind als getrennt erleben können, aber gleichzeitig empathisch aufeinander reagieren. Mit ihrer Hilfe kann die psychische und körperliche Entwicklung des Kindes während der Schwangerschaft so weit gefördert werden, dass die Geburt natürlich und weniger belastend für Mutter und Kind verläuft. Zudem wird Kaiserschnitten vorgebeugt. „Dieses Wissen ist in Österreich leider noch viel zu wenig bekannt. Wir wollen dies ändern“, unterstreicht Kronthaler.
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aktion leben österreich ist ein überkonfessioneller, überparteilicher karitativer Verein, der sich vorwiegend aus privaten Spenden finanziert. Neben der Beratung von schwangeren Frauen engagiert sich aktion leben auch in der Bildungsarbeit für Kinder und Jugendliche sowie in der aktiven Öffentlichkeitsarbeit zu bioethischen Fragen. Darüber hinaus setzt sich aktion leben für eine eltern- und kinderfreundliche Gesellschaft ein.
In den Bundesländern gibt es selbständige aktion leben-Vereine, die mit aktion leben österreich inhaltlich und organisatorisch eng zusammenarbeiten.
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