
„Intelligenz ist zum Großteil eine Funktion der Beziehung. Eine Förderung ohne Beziehung ist kontraproduktiv“, betonte Dr. Erich Lehner. Aktive Vaterschaft ist ein Benefit für Kinder, Frauen, Männer und die Gesellschaft. Voraussetzung dafür ist die Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern, etwa bei der Aufteilung von Beruf und Familie in einer Partnerschaft.
„Um Geschlechtergerechtigkeit zu erlangen, braucht es nicht nur Förderung der Frauen, sondern auch eine Änderung des Männerbildes“, betonte der renommierte Gender-Experte. Deshalb vertritt Lehner die Position, dass aktive Vaterschaft nicht privat abgehandelt werden dürfe, sondern „ein politisches Projekt werden muss“.
„Was wir von aktiven Vätern heute wollen, ist in unserer Geschichte neu. Es gibt keine historischen Vorbilder“, erklärt Lehner die Schwierigkeit, Veränderungen in Gang zu bringen. Um die Präsenz von Männern in der Familie zu unterstützen, seien ein politischer Diskurs sowie die Schaffung gesellschaftlicher Strukturen nötig. „In Österreich gibt es zwar Maßnahmen wie die für Väter reservierte Karenzzeit, es fehlt aber an den politischen Rahmenbedingungen.“
Der Männerforscher verwies auf das schwedische Modell, das sich an der Gleichwertigkeit der Geschlechter und damit an der Vereinbarkeit von Familie und Beruf orientiert. Da dieses Modell seit den 1960er Jahren gewachsen ist, warnte Lehner davor, es 1:1 für Österreich zu übernehmen. „Österreich hat zehn Jahre Entwicklung verschlafen.“ Er ist aber überzeugt: „Wenn das Interesse da ist, geht es, dass Vätern eine aktive Vaterschaft ermöglicht wird. Vaterschaft ist ein politischer Gestaltungsauftrag. Die Politik muss nur wollen.“
Gerade in der frühen Phase des Kindes sei die Anwesenheit des Vaters besonders wichtig. Kinder profitieren in ihrer Entwicklung, weil sie durch präsente Väter zwei Bezugspersonen haben. Ein quantitativ präsenter Vater hat weitreichende positive Folgen für das Kind. „Es wurde beobachtet, dass Kinder mit einem aktiven Vater bessere Schulnoten haben als ihre AlterskollegInnen und weniger gewalttätig sind. Außer der Vater ist selbst gewalttätig, dann gilt das natürlich nicht“, sagt Lehner.
Der positive Bindungserfolg hängt jedoch auch von der Aufteilung der Hausarbeit ab. Mindestens 40 Prozent müssen vom Vater übernommen werden. „Dies verlangt eine totale Umorganisation der Arbeit, weg von der derzeitigen Struktur, bei der der Mann überwiegend einer Erwerbsarbeit nachgeht und die Frau mehr zu Hause arbeitet“, so Lehner.
„Dieser Vortrag hat aufgezeigt, wie wichtig es ist, Männern Väterlichkeit und Vatersein zu ermöglichen. Dies ist eine Schlüsselfrage für eine Gesellschaft, in der Kinder willkommen sind und ein weiterer Schritt zu einem kinder- und elternfreundlichen Österreich, das wir in unserer Parlamentarischen Bürgerinitiative gefordert haben“, sagt Mag. Martina Kronthaler, Generalsekretärin der aktion leben österreich. Die Parlamentarische Bürgerinitiative „Mit Kindern in die Zukunft“ haben 62.550 Menschen unterzeichnet.
Mag. Daniela Orler
aktion leben österreich
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