
Die Meldung erzeugt falsche Erwartungen. Die geringe Erfolgsrate der künstlichen Befruchtung mit PID wird dabei ausgeklammert, der enge Blick auf einige wenige Krankheiten und Behinderungen wird verschwiegen, ebenso die Fehleranfälligkeit der PID.
PID bedeutet eine Zeugung unter Vorbehalt
aktion leben sieht auch gravierende ethische Probleme in Zusammenhang mit der PID: „Die PID widerspricht der Menschenwürde, denn sie bedeutet eine Zeugung unter Vorbehalt. Die bedingungslose Annahme des eigenen Kindes gibt es nicht mehr. Paare, bei denen eine hohe Disposition für eine schwere Krankheit vorkommt, müssen sich der psychischen und gesundheitlichen Belastung einer IVF unterziehen, um zu einem – keineswegs garantiert - gesunden Kind zu kommen.“
Aktion leben weiter: „Die PID ist technisch unausgereift und fehleranfällig. Sie erweckt falsche Erwartungen, denn auch die PID kann ein gesundes Kind nicht garantieren.“ aktion leben ist überzeugt, dass sie im Interesse der betroffenen Paare nicht eingeführt werden sollte.
Die wesentlichsten Gründe gegen die PID im Detail:
Die PID senkt die Erfolgsaussichten der IVF. Eine 2007 im „New England Medizine“ veröffentlichte große Studie zum Vergleich von IVF mit PID und IVF ohne PID ergab: Nach bis zu 3 IVF-Versuchen lag die Baby-take-Home-Rate (mit PID) bei 24% bzw. 35% (ohne PID). 408 Frauen waren mit 836 Zyklen in der Studie erfasst. (Lit.: Sebastiaan Mastenbroek et al: „In Vitro Fertilization with Preimplantation Genetic Screening“. In: The New England Journal of Medizine, July 5, 2007)
Gründe dafür: Die PID ist ein technisch aufwändiges Verfahren und verlangen ein hohes technisches Können. Die Gefahr, dass die untersuchten Embryonen bei der Entnahme der Zellen zerstört werden, ist groß. Die PID setzt daher immer mehr Embryonen voraus als eine IVF ohne PID. D.h. es ist eine höhere Stimulation der Frau notwendig, damit diese genügend Eizellen produziert, bzw. ist dies auch oft nicht möglich. Dies ist einerseits für die Frau gefährlich. Andererseits wird auch das Problem der überzähligen Embryonen verschärft.
Erst im Herbst dieses Jahres beurteilte ein Gutachten der deutschen Friedrich-Ebert-Stiftung die Präimplantationsdiagnostik als experimentelles Verfahren, das nicht zur Routineuntersuchung am Embryo geeignet ist. Die Arbeitsgruppe wurde von einem der führenden Fortpflanzungsmedizinern Deutschlands, Prof. Dr. Klaus Dietrich, geleitet.
Die PID ist fehleranfällig: Als Untersuchungsmaterial stehen bei der „klassischen“ PID ein bis zwei Zellen zur Verfügung. Es können an ihnen nur wenige Krankheiten untersucht werden. Eine nachfolgende Pränataldiagnostik wird deswegen immer empfohlen. Spätabtreibungen nach einer auffälligen Pränataldiagnostik kommen auch nach Einsatz der PID vor.
PID erzeugt den falschen Eindruck, gesunde Kinder zu garantieren: Nur wenige Krankheiten und Chromosomenanomalien können mittels PID erkannt werden. Dabei sind auch Krankheiten, die erst im späteren Leben des untersuchten Menschen ausbrechen – bzw. ist überhaupt unklar, ob diese Krankheit ausbrechen wird (die Suche nach dem Brustkrebs-Gen ist ein Beispiel dafür).
Rückfrage:
Mag. Helene Göschka
Medien- und Informationsarbeit
01/512 52 21/21
helene.goeschka@aktionleben.at
www.aktionleben.at