
Kronthaler plädiert dafür, anstatt in die embryonale Stammzellforschung zu investieren, das wissenschaftliche Augenmerk verstärkt auf die ethisch unbedenkliche Forschung mit adulten bzw. induziert pluripotenten Stammzellen zu legen.
Endlich scheinen die zuletzt etwas in die Defensive geratenen Befürworter der embryonalen Stammzellforschung wieder einen Grund zum Frohlocken gefunden haben: US-amerikanischen Forschern in San Diego ist es gelungen, menschliche embryonale Stammzellen dazu zu bringen, Insulin zu produzieren. Nach der Online-Vorabveröffentlichung der Studienergebnisse im Fachjournal „Nature Biotechnology“ titelten auch heimische Medien zuletzt mit Schlagzeilen wie „Stammzellen wirken“ oder gar „Stammzellen gegen Diabetes“.
Bei näherer Betrachtung muss dieser vermeintliche Erfolg der embryonalen Stammzellforschung relativiert werden: So bildeten sich bei gut 15 Prozent der von den Biotechnikern von Novocell in San Diego mit menschlichen embryonalen Stammzellen behandelten zuckerkranken Mäuse Tumore. Überdies handelte es sich bei den verwendeten Versuchstieren um so genannte „SCID-Mäuse“, das sind Tiere, die aus genetischen Gründen keine Immunabwehr besitzen. Das dürfte auch der Grund gewesen sein, warum die aus menschlichen embryonalen Stammzellen gezüchteten Insulin produzierenden Zellen nach ihrer Transplantation nicht von vorneherein vom Organismus der Mäuse abgestoßen wurden.
In diesem Licht betrachtet scheint auch der jüngste - medial gefeierte - große Schritt in Richtung Therapiemöglichkeiten durch embryonale Stammzellen in Wahrheit nur von bescheidenem Ausmaß zu sein, „der keinerlei Anlass bietet, zuckerkranken Menschen Hoffnungen auf Heilung zu machen, die nicht einlösbar sind“, betont Kronthaler. Der Weg zu möglichen Therapien für Menschen mit Hilfe der embryonalen Stammzellforschung sei „nicht nur ein noch langer, sondern vermutlich einfach ein Holzweg“, unterstreicht Kronthaler.
Schließlich bleibe bei der embryonalen Stammzellforschung ungeachtet zweifelhafter „Erfolgsmeldungen“ das „grundlegende ethische Dilemma bestehen, dass dafür menschliche Embryonen zerstört werden müssen“.
Mag. Harald Hinger
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