aktion leben österreich

aktion leben warnt vor Gentests aus dem Internet:

„Unseriöse Geschäftemacherei mit der Angst vor Behinderung“

 

Erste Firmen wittern Milliardengeschäfte mit dem Verkauf von Gentests über das Internet. Diese sollen das eigene Gesundheitsrisiko und das Risiko der Vererbung an (künftige) Kinder aufzeigen. Mag. Martina Kronthaler, Generalsekretärin von aktion leben österreich: „Das ist in höchstem Maße unseriös. KonsumentInnen müssen davor unbedingt geschützt werden.“ Kronthaler warnt auch vor einer weiteren Verbreitung eugenischen Gedankenguts durch derartige Angebote.
Die Wege, den genetischen Code eines Menschen zu entschlüsseln, werden immer kürzer, schneller und kostengünstiger. Gleichzeitig werden für immer mehr Krankheiten und Behinderungen die dafür verantwortlichen Gene identifiziert. „Zusammen mit der Angst vor Krankheit und Behinderung ist das ein wunderbarer Nährboden für unseriöse Geschäftemacherei“, kritisiert Kronthaler. Unseriös aus einer Reihe von Gründen:
  • Es fehlt jede Anamnese. Leute geben Geld für einen Test aus, der aus medizinischen Gründen oft gar nicht notwendig wäre. „Wozu ein Test, wenn eine bestimmte Erbkrankheit in der gesamten Familiengeschichte nie vorgekommen ist?“
  • Die Ergebnisse sind wenig aussagekräftig. Kronthaler: „Wer kann schon eine statistische Wahrscheinlichkeit auf das eigene Leben übertragen?“
  • Erläuterungen gibt es kaum. „Die wenigsten Menschen können allein mit dem Namen von genetisch bedingten Erkrankungen etwas anfangen“, weiß Kronthaler. „Sie lesen einen lateinischen Ausdruck und bekommen es mit der Angst zu tun.“
  • Psychologische Betreuung wird meist nicht einmal erwähnt. „Seriöse Humangenetik geht immer mit umfassender Beratung einher.“
  • Die AnbieterInnen geben unterschwellige Versprechen ab, die sie nicht halten können. „Es gibt keine Garantie darauf, dass ein Baby gesund und ohne Behinderung zur Welt kommt“, betont Kronthaler.
Auch ethisch seien derartige Gentests bedenklich. Schon die Wortwahl so mancher Anbieter sei erschreckend, soll doch zum Beispiel „Kindern unnötiges Leid erspart“ werden. Kronthaler: „Sie fördern eine Klassifizierung von Menschen. Schon mit einer geringen Wahrscheinlichkeit von bestimmten Merkmalen sollten Menschen erst gar nicht mehr gezeugt werden.“ Die logische Konsequenz sei eine neue Form der Behinderung: die genetische. „Der Fortschritt der Medizin wird damit einmal mehr zu einem Rückschritt der Menschlichkeit.“ Die Ministerien für Konsumentenschutz und für Gesundheit müssten auf diese neuen Angebote rasch reagieren, fordert Kronthaler. „Die Menschen müssen umfassend aufgeklärt werden, wie ihnen auf Basis ihrer Ängste das Geld aus der Tasche gezogen werden soll.“