Unter diesem Blickwinkel müssen zumindest drei Personengruppen berücksichtigt werden:
Frauen, die sich einer IvF unterziehen
Frauen, die eine Eizelle spenden
Kinder, die in vitro gezeugt wurden
Kinderlosigkeit wird von ihnen als „dramatisch“ erlebt. Sie unterziehen sich freiwillig den für IvF notwendigen Prozeduren.
Nach Meinung von aktion leben österreich wird die psychische Situation dieser Frauen zu wenig berücksichtigt. Es bleibt in den meisten Fällen ungeklärt, warum bestimmte Frauen Kinderlosigkeit als Makel erleben und ihr Lebensglück von der Beseitigung dieses Makels abhängig machen. Die Medizin und die Politik reagieren mit medizinisch-technischen Möglichkeiten. Eine umfassende psychische Betreuung der Frauen findet kaum statt. Es muss verstärkt darauf geachtet werden, ungewollt kinderlosen Frauen ein vollständiges Bild eigener Weiblichkeit auch ohne Fruchtbarkeit zu erschließen.
Jede Frau, die eine Eizelle spendet, ist zunächst eine gesunde Frau. Erst durch die hormonelle Behandlung und den invasiven Eingriff zur Reifung und Entnahme von Eizellen wird sie zur Patientin, der Komplikationen und Spätfolgen drohen.
Um genügend Eizellen für eine IvF zu bekommen, muss eine Frau hormonell stimuliert werden. Eine mögliche Komplikation ist das Überstimulationssyndrom (OHSS), das mindestens jede zehnte Patientin erlebt. Laut WHO-Schätzung treten in einem von 100 Fällen lebensbedrohliche Nebenwirkungen auf wie Nierenversagen, Lungenembolien oder Schlaganfälle. Vereinzelt ist es auch zu Todesfällen gekommen.
Eine weitere Folge von Eizellspenden ist Unfruchtbarkeit. Viele Frauen können nach einer Eizellspende nicht mehr auf natürlichem Weg schwanger werden und benötigen selbst IvF. Damit verbunden ist eine enorme psychische Belastung: Das eigene Kind existiert ja bereits, es ist allerdings das Kind „einer anderen“.
BefürworterInnen der Eizellspende meinen, als Spenderinnen kämen jene Frauen in Frage, die sich selbst einer IvF unterziehen. Überzählige Eizellen sollten gespendet werden. Das impliziert aber die Gefahr einer noch höheren hormonellen Stimulation, um zusätzliche Eizellen reifen zu lassen. Die Gefährdungen für diese Frauen und ihre eigenen Kinder steigen entsprechend.
Durch IvF gezeugte Kinder haben nachweislich erhöhte erhebliche Risiken wie Herzfehler, Lippen-Spalte oder Frühgeburtlichkeit. Internationale Studien verweisen auf geringeres Geburtsgewicht und eine höhere Sterblichkeitsrate innerhalb der erste sieben Tage.
Die Wahrscheinlichkeit einer Zwillings- oder Mehrlingsgeburt durch IvF ist hoch. Die damit verbundenen Risiken für die Kinder sind erwiesen.
Die Forschung nach gesundheitlichen Langzeitfolgen an Kindern, die durch IvF gezeugt wurden, ist noch nicht sehr weit gediehen und wird nicht mit Nachdruck betrieben.
Die psychischen Folgen für IvF-Kinder sind ebenfalls erst in Ansätzen untersucht. Hier ergeben sich mehrere Problemkreise:
Ein durch Eizellspende gezeugtes Kind hat zwei biologische Mütter: Jene, von der die Eizelle stammt, und jene, die die Schwangerschaft austrägt. Inwieweit dadurch biologische Austauschprozesse auf molekularer/biologischer Ebene während der Schwangerschaft verändert und psychische Nebeneffekte hervorgerufen werden, ist unklar.
Die pränatale Beziehungsqualität von Mutter und Kind ist ein entscheidender Aspekt für die spätere Entwicklung des Kindes. Inwieweit sich diese Beziehung verändert, wenn die Eizelle gespendet wurde, ist unbekannt.
Die wenigsten Kinder, die durch Ei- oder Samenspende gezeugt wurden, erfahren die Identität ihrer „biologischen“ Eltern. Sie werden einen Teil ihrer Abstammung nie erfahren. Neuere Forschungsergebnisse etwa des französischen Psychoanalytikers Serge Tisseron oder der amerikanischen Familientherapeutin Evan Imber-Black zeigen, dass diese Kinder mit einem „dunklen Geheimnis“ aufwachsen, das zu dauerhaften Identitätsbrüchen führen kann.