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5. Innerfamiliäre systemische Aspekte

 

Untersuchungen in Familien mit durch Samenspende gezeugten Kindern haben gezeigt, dass die Unfruchtbarkeit des Mannes als Stigma erlebt wird. Nur wenige Eltern sind in der Lage, damit offen und problemlos umzugehen. Die Familie entspricht nicht der „Norm“ der biologisch definierten Familie. Im Gegensatz zu anderen Familienformen wie der Patchworkfamilie ist ihre Zusammensetzung nur bedingt freiwillig und beruht auf der Umgehung eines Versagens. Dieser Umstand beeinflusst die Beziehungen innerhalb der Familie, aber auch den Umgang mit sozialen Systemen außerhalb.


Dieses Problem könnte im Fall der Eizellspende verschärft werden, weil nicht nur die Unfruchtbarkeit der Frau, sondern auch die „Notwendigkeit der Opferbereitschaft“ einer weiteren Frau eine Rolle spielen.
 
 

Jede Frau entwickelt ein bestimmtes Bild vom Kind, das in ihr heranwächst. Wenn ein durch Samen- oder Eizellspende gezeugtes Kind diesem Ideal nicht entspricht, kann es zu Schuldzuweisungen an den Spender oder die Spenderin kommt. Die psychischen Folgen für das Kind sind enorm, wenn es „schlechte Eigenschaften“ von einer familienfremden Person „geerbt“ hat. 


Diese Problematik wird noch verschärft, wenn der Spender oder die Spenderin aus dem eigenen Familien- oder Bekanntenkreis kommt. Hier spielt noch eine zusätzliche Dynamik eine Rolle: Die Spender und Spenderinnen könnten auf ein „Miterziehungsrecht“ pochen, das ihnen zwar rechtlich nicht zusteht, moralisch aber eingefordert werden kann.
 


Im Bereich der Eizellspende ist es möglich, dass innerhalb einer Familie der Druck auf Frauen wächst, eine Eizelle für ihre Tochter, Schwester, Schwägerin oder Nichte zu spenden. Die Verantwortung für das „Glück“ eines Paares, das nur durch ein eigenes Kind erreichbar scheint, wird innerfamiliär weiter gegeben.
 


Das innerfamiliäre Beziehungsgeflecht kann maßgeblich gestört werden, wenn das Kind seine biologische Abstammung erfährt. Dies kann bis zur (zeitweiligen) Ablehnung seines sozialen Elternteils führen.

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