
Sehr geehrte Frau Stadträtin,
vor einigen Tagen haben Sie das neue Handbuch für Wienerinnen „Wien für Wienerinnen, Infos und Tipps von A-Z“ präsentiert. Im Vorwort behaupten Sie, die Broschüre „listet alle Einrichtungen und Adressen, wo Frauen in verschiedensten Alters- und Lebensphasen Unterstützung erhalten, in übersichtlich geordneter Weise auf“.
Das ist leider falsch.
Die Schwangerenberatungsstelle von aktion leben, in der Frauen nicht nur non-direktive Beratung, sondern auch materielle und finanzielle Unterstützung für ein menschenwürdiges Leben mit Kind erhalten, kommt in dieser Broschüre nicht vor. Und das, obwohl die Stadt Wien sogar an aktion leben verdient: durch die Miete für das Spendenlager mit kostenloser Babyausstattung für mittellose Frauen in einem Wiener Gemeindebau.
In einem Kommentar für „dieStandard“ vom September 2009 schreiben Sie: „Es ist Aufgabe der Politik, werdenden Müttern eine hoffnungsfrohe Perspektive für die Zukunft aufzuzeigen.“ Wie sollen wir diesen Satz verstehen, wenn unterstützende und Perspektiven bietende Organisationen verschwiegen werden? Wenn die Stichwörter „Schwangerenberatung“ und „Schwangerschaftskonflikt“ gänzlich fehlen?
Das Selbstbestimmungsrecht von Frauen ist eines der am meisten benutzen Argumente der SPÖ, wenn es um Frauenpolitik geht. Wie dürfen wir Selbstbestimmung verstehen, wenn Frauen die notwendigen Informationen als Basis für eine eigene und selbst bestimmte Entscheidung erst gar nicht bekommen? Die Beratungsstelle von aktion leben nicht zu nennen, ist Bevormundung von Frauen anstelle von Empowerment.
Wir fordern seit Jahren kontinuierliche Bewerbung von Schwangerenberatung durch die öffentliche Hand, auch um die flankierenden Maßnahmen zur Fristenregelung zu entsprechen. Ihr Kommentar in „dieStandard“ trägt den Titel: „Was jetzt gefordert wird, ist Punkt für Punkt erfüllt.“ Sie treten mit dieser neuen Broschüre selbst den Beweis an, dass diese Aussage nicht stimmt.
Schwangere Frauen haben das Recht, in einer schwierigen Situation alle Informationen und Unterstützung zu erhalten, die sie für ihre eigene Entscheidung für oder gegen ein Kind brauchen. Dieses Recht sollte ihnen nicht von Ihnen als Frauenstadträtin durch fehlende Information genommen werden. Damit nehmen Sie Ihnen auch das Recht auf Entscheidungsfreiheit, wo und von wem sie sich beraten lassen wollen.
Wir fordern Sie daher dringend auf, zumindest die Online-Version www.frauenratgeberin.wien.gv.at um die Stichwörter „Schwangerenberatung“ und „Schwangerschaftskonflikt“ zu ergänzen und die entsprechenden Beratungsstellen anzuführen.
Mit freundlichen Grüßen,
Mag. Martina Kronthaler
Generalsekretärin