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aktion leben: Nobelpreis für IvF-Pionier – ein falsches Signal
 

Wien, 5. Oktober 2010 – Anlässlich des Nobelpreises für IvF-Pionier Robert Edwards fordert aktion leben eine Auseinandersetzung mit den Techniken der Fortpflanzungsmedizin. „Viele Probleme sind ungelöst, viele Fragen offen. Mit dem Nobelpreis wird leider ein Zeichen dafür gesetzt, ungewollter Kinderlosigkeit vorrangig mit Technik zu begegnen.“ Mit Hilfe von In-vitro-Fertilisation könne manchen Paaren zu einem Kind verholfen werden. Doch noch mehr Paare gebe es, die trotz In-vitro-Fertilisation kein Kind bekommen. „Wir brauchen daher dringend Ursachenforschung, Prävention und eine Stärkung alternativer Methoden, die mitunter ähnlich erfolgreich sind wie die IvF“, fordert aktion leben-Präsidentin Dr. Gertraude Steindl.


Werbung und Information sind schwer auseinander zu halten

„Es ist für Paare mit Kinderwunsch, die unfruchtbar sind, fast unmöglich, sich der Werbung der Babywunsch-Zentren zu entziehen und sachliche Informationen zu bekommen“, so aktion leben-Präsidentin Dr. Gertraude Steindl. „Bereits die Erfolgsraten der einzelnen Institute sind ein gut gehütetes Geheimnis“, bemängelt Steindl. Handelt es sich bei den veröffentlichten Zahlen um die Geburtenraten oder die Schwangerschaftsraten? Wurden alle Behandlungszyklen gezählt oder nur die, bei denen die Implantation des Embryos gelungen ist? „Gerade in einem so sensiblen Bereich sollte besondere Transparenz selbstverständlich sein. Leider ist das Gegenteil der Fall“, sagt Steindl. „Das betrifft leider nicht nur die nach wie vor geringen Erfolgsraten, sondern, was noch schlimmer ist, auch die Risken für Mutter und Kind“.

aktion leben für mehr Vorsicht und begleitende Forschung
IvF-Schwangerschaften sind häufig Mehrlingsschwangerschaften. Für Mutter und Kind bedeutet das oft unterschätzte, erhebliche gesundheitliche Risken. Schädigungen, die sich erst im späteren Leben zeigen, sind erst gar nicht untersucht. Langzeitstudien zum epigenetischen Risiko von Superovulation und In-vitro-Kulturbedingung für den Embryo fehlen. „Ich würde mir im Interesse der Frauen und Kinder viel mehr Vorsicht und begleitende Forschung wünschen“, so Steindl.


Embryonen für die Forschung – von Anfang an mitgedacht
Erst die Zeugung im Reagenzglas machte den Embryo für die Forschung zugänglich – mit weit reichenden Folgen. Überzählige Embryonen, embryonale Stammzellforschung, die Möglichkeit der Auswahl von Embryonen nach genetischen Merkmalen, die Vorstellung eines bereits In-vitro verbesserten Menschen – all das würde es ohne IvF nicht geben.

„Die Väter der künstlichen Befruchtung hatten bereits die Vision eines verbesserten Menschen. Sie waren fasziniert von dem „Forschungsmaterial“, das ihnen dank In-vitro-Fertilisation erstmals zur Verfügung stand, den embryonalen Zellen. Man mag dies für eine Vision besonderer Pioniere halten. Über die ethischen Dilemmata, die sie auslösten, setzten sie sich einfach hinweg. Dabei handelt es sich beim Embryo, der wir selbst alle einmal waren, von Anfang an um einen Menschen, der Würde hat. Ein Embryo sollte dem gemäß auch mit Würde behandelt werden, genauso wie alle an der medizinisch assistierten Fortpflanzung beteiligten Personen“, stellt Steindl fest.

„Ein System, das Eizellspenden und Leihmutterschaft geradezu herausfordert, das Embryonenselektion mittels genetischer Tests anbietet und jegliche Risikokontrollen vermissen lässt, ist in all seinen Auswirkungen äußerst kritisch zu hinterfragen. Zum Feiern ist mir dabei nicht zu Mute. Im Interesse der Paare mit unerfülltem Kinderwunsch würde ich lieber nach Alternativen suchen“, unterstreicht Steindl abschließend.

 


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Mag. Martina Kronthaler
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