aktion leben österreich

aktion leben statistisch: Bedarf an Schwangeren-Beratung in Wien steigt kontinuierlich

 

Mehr als 2.600 Mal wurden die Beraterinnen der aktion leben österreich im Jahr 2009 im Wiener Beratungszentrum von schwangeren Frauen und jungen Müttern in Not gebraucht. Im Vergleich zum Jahr davor ist das eine Steigerung um knapp zehn Prozent. Fast ein Viertel mehr Frauen als im Jahr davor erhielt finanzielle Unterstützung. Mag. Martina Kronthaler: „Ein Blick auf die Statistik zeigt deutlich, dass das soziale Netz für schwangere Frauen oft zu wenig trägt.“

 

„Nur bei den wenigsten Frauen reicht ein einziges Beratungsgespräch aus“, sagt Mag. Martina Kronthaler, Generalsekretärin der aktion leben österreich. „Die Vielfalt der Fragen und Probleme können meist nur in mehreren Gesprächen geklärt werden.“ Ein kleiner Trend geht zur Beratung per E-Mail: Die elektronischen Anfragen stiegen im Vergleichszeitraum um fast 30 Prozent. 532 Frauen kamen im Jahr 2009 zum ersten Mal in die Beratungsstelle.

 

Krisen wegen einer Schwangerschaft

„Unsere Beratungsstelle möchte vor allem auch für Frauen da sein, die sich wegen einer Schwangerschaft in einem Konflikt oder einer Krise befinden“, erklärt Kronthaler. Diese Frauen wollen oft erst alle Möglichkeiten der Unterstützung und ihre eigene rechtliche Situation kennen, bevor sie eine Entscheidung treffen. „Wenn Frauen in einem Konflikt nur einmal zu uns kommen, wissen wir nicht, wie sie sich entscheiden.“ Dies begründet Kronthaler damit, dass die Beratung ergebnisoffen ist.

Ein anderes Konfliktthema komme immer öfter vor: die Pränataldiagnostik. Schwangere Frauen und ihre Partner holen sich einerseits Informationen, andererseits psychologische Unterstützung bei aktion leben. In der Beratungsstelle stehen dafür eigens ausgebildete Expertinnen zur Verfügung.

„Die Zunahme an schwangeren Mädchen unter 17 Jahren ist erschreckend“, meint Kronthaler. Ihr Anteil ist um fast 15 Prozent gestiegen. „Wir brauchen dringend eine Verbesserung der Sexualpädagogik in Schulen, die den Anliegen und Bedürfnissen der heutigen Jugend gerecht wird.“

 

Vorschriften und Gesetze: Vieles ist  unklar und verwirrend

In nahezu jedem Gespräch gelte es, sozial-, arbeits- und fremdenrechtliche Fragen zu klären. Mehr als 1.000 telefonische und schriftliche Interventionen bei DienstgeberInnen und Ämtern waren im Vorjahr notwendig, um Frauen konkret zu helfen.

Viele Frauen haben keinen gesicherten Lebensunterhalt. „Das hat unmittelbar auch mit der schlechten Ausbildungssituation der Frauen zu tun“, erläutert Kronthaler. Nur ein Drittel der Frauen hat eine abgeschlossene Berufsausbildung. Jede zehnte Frau hat aber nicht einmal die Pflichtschule beendet.

Eine weitere dramatische Zahl: Ein Fünftel der Frauen kann keine gültige Sozialversicherung vorweisen. „Wenn diese Frauen in einem Wiener Spital ihr Kind zur Welt bringen, bekommen sie für Betreuung und Aufenthalt Rechnungen im Ausmaß von mehreren Tausend Euro, die sie unmöglich bezahlen können“, informiert Kronthaler. „Die Stadt Wien lässt diese Frauen völlig allein, es gibt keinen Hilfsfonds der öffentlichen Hand.“

 

Umfassende Hilfe notwendig

Dank vieler privater SpenderInnen konnte aktion leben in Wien einigen Hundert schwangere Frauen und junge Mütter in Not finanziell unterstützen. Längerfristige Unterstützungen sind durch so genannte Patenschaften möglich. Kronthaler: „Sehr oft benötigen Frauen Soforthilfen, wenn etwa die Miete nicht mehr bezahlt werden kann, die Heizung abgedreht wird oder ein Medikament bezahlt werden muss.“

22 Frauen konnte eine Anstellung vermittelt werden. „Auf diese Weise erwerben vor allem jüngere Frauen einen Anspruch auf Wochengeld.“

 

Sachspenden werden dringend benötigt

Rückgängig ist leider die konkrete Unterstützung durch Sachspenden wie Gitterbetten, Kinderwagen oder Babybekleidung. Kronthaler: „Wir bekommen weniger, daher können wir leider nicht mehr so viel weiter geben. Ein Grund dafür ist möglicherweise der große Marktplatz Internet, in dem Eltern die nicht mehr benötigte Baby-Ausstattung verkaufen.“ Kronthaler appelliert in diesem Zusammenhang an Eltern, gebrauchte Kindersachen jenen zur Verfügung zu stellen, die sie kaum bezahlen können, aber dringend brauchen.