Wien, 27. April 2010 – Der Vorstand der aktion leben österreich wählte am vergangenen Wochenende Dr. Gertraude Steindl zur neuen Präsidentin. „Das Thema Schwangerschaft darf nicht auf Geburt oder Abbruch reduziert werden“, meint sie zur Rolle von aktion leben in Österreich. „Wir müssen die Spitze einer Bewegung für eine neue Kultur im Umgang mit Schwangerschaft und Geburt sein.“
Steindl hatte zunächst in Frankfurt Wirtschaftsdolmetscherin gelernt, bevor sie in Wien ein Publizistik- und Germanistikstudium absolvierte. Die Praxis der Öffentlichkeitsarbeit erlebte sie zunächst als Mitarbeiterin, dann als Leiterin der PR-Abteilung des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger in Bonn.
Zurück in Wien lernte sie aktion leben kennen. „Die Persönlichkeit von Grit Ebner war es, die mich in die aktion leben zog.“ Grit Ebner baute die aktion leben seinerzeit auf. „Zunächst habe ich es sehr gut gefunden, Frauen in Notsituationen zu helfen. Mit der Zeit habe ich ein immer tieferes Verständnis dafür entwickelt, wie sie in diese Not kamen und was diese Not ausmacht.“ Als ehrenamtliche Mitarbeiterin prägte Steindl schon seit Jahr 1987 das Erscheinungsbild von aktion leben. Ein positiver Zugang zum Leben und Optimismus sollten in allen Publikationen ausgestrahlt werden.
Fünf Jahre später wurde sie als Pressereferentin angestellt. Im Jahr 2000 übernahm sie die Funktion der Generalsekretärin. Im „aktiven Ruhestand“ wurde sie 2006 zur Vizepräsidentin gewählt, nun ist sie Präsidentin. Steindl: „Ich freue mich sehr über das Vertrauen meiner VorstandskollegInnen, mir diese Aufgabe zuzutrauen. Die Arbeit für aktion leben ist für mich längst kein Beruf mehr, sondern Berufung.“
aktion leben grenze sich klar ab gegenüber all jenen, „die sich als fundamentalistische Lebensschützer gebärden“, sagt Steindl. Schon deren Wortwahl wäre „Misshandlung von Frauen“. Auf der anderen Seite würden Frauen „zu billig abgespeist“, wenn zu wenig darauf geschaut wird, was hinter Schwangerschaftskonflikten steht. „Mit dem Angebot von Abbruchmöglichkeiten werden wir der Problematik nicht gerecht“, ist Steindl überzeugt.
Sie will erreichen, dass aktion leben im gesamten Spektrum ihrer Tätigkeit eine geachtete, gesuchte und kompetente Gesprächspartnerin ist und bleibt. „Ich will keine Radikalismen in welche Richtung auch immer. Ich will, dass die ganze Problematik ins Gespräch kommt und positive Konsequenzen im Interesse der Betroffenen gezogen werden. aktion leben soll dazu einen wirkungsvollen und kraftvollen Beitrag leisten.“ Dazu sei es notwendig, die Einstellung und das Wissen zum Wert des Lebens von Anfang an zu vertiefen. „Die Gesellschaft heute trägt Vieles dazu bei, dass der Wunsch nach eigenen Kindern bei jungen Menschen verschüttet wird. Dabei machen erst Kinder das Leben reich.“
Vor allem im letzten Jahrzehnt sei das Wissen über die Bedeutung der Schwangerschaft, den Verlauf der Geburt und das Säuglingsalter für das spätere Leben enorm gewachsen, meint Steindl. Ein Beispiel dafür sei eine sichere und feinfühlige Bindung zwischen Mutter und Kind. Steindl fordert: „Wir müssen gesichertes Forschungswissen in die Praxis umsetzen.“ Darüber hinaus sei die Bindungsanalyse ein sehr hilfreiches Instrument, um schon die vorgeburtliche Beziehung zwischen Mutter und Kind zu fördern. Damit werde der Verlauf der Geburt erleichtert und psychosomatischen Krankheiten vorgebeugt.
Fehlendes Wissen gäbe es zu den Schwangerschaftsabbrüchen in Österreich. „Die Kenntnis des Ist-Zustandes ist notwendig, um zu wissen, wo Verbesserungen notwendig sind.“
Unmittelbare Konsequenzen auf Schwangerschaft und Geburt hat auch die Diskussion bioethischer Themen in all ihren Facetten. „Vordringlichstes Ziel ist es, dass nie wieder ein Kind als Schaden definiert werden kann. Hier brauchen wir dringend eine Lösung.“