
Wien, 4. Mai 2010 – „Mutter werden darf nicht bedeuten, dass die Existenz gefährdet oder die beruflichen Chancen drastisch reduziert werden“, betont Mag. Martina Kronthaler, Generalsekretärin der aktion leben österreich, anlässlich des bevorstehenden Muttertags. „Zu viele schwangere Frauen müssen ernsthaft überlegen, ob sie sich ein Kind überhaupt leisten können.“ Die Gesellschaft solle am kommenden Muttertag all jenen danken, die sich Mutterschaft noch zutrauen.
Verbesserungswürdig seien, so Kronthaler, der Umgang mit schwangeren Frauen, die Anerkennung der Kompetenzen von Müttern am Arbeitsmarkt und die Möglichkeit, mit einem Kind eine Ausbildung zu machen.
„Für viele Frauen ist es schwierig, heute eine Schwangerschaft einfach nur zu genießen und sich unbefangen auf ein Kind zu freuen“, bedauert Kronthaler. Finanzielle Sorgen einerseits, ein enorm hoher Druck durch vorgeburtliche Untersuchungen (Pränataldiagnostik) andererseits seien unter anderem dafür die Gründe.
Sofern überhaupt Anspruch auf öffentliche Unterstützung besteht, reiche diese oft nicht aus, um die Lebenserhaltungskosten zu decken. „Eine Schwangerschaft kann Frauen an den Rand der Existenz bringen. Wir benötigen dringend einen unbürokratischen Hilfsfonds aus öffentlichen Mitteln“, fordert Kronthaler. aktion leben unterstützt jährlich einige Hundert Frauen ganz konkret mit Geld aus privaten Spenden.
Zusätzlich stehen Frauen unter dem Druck, „perfekte“ Kinder bekommen zu müssen. Immer mehr und immer differenziertere vorgeburtliche Untersuchungen sollen dies sicher stellen. „Ins Beratungszentrum von aktion leben kommen unzählige Frauen, die durch Pränataldiagnostik enorm beunruhigt sind“, schildert Kronthaler. „Die Betreuungsqualität in den Kliniken muss dringend verbessert und die psychosoziale Beratung ausgebaut werden. Schwangerenberatungsstellen brauchen mehr Mittel für Werbung.“
„Von der viel zitierten Vereinbarkeit von Beruf und Familie sind wir meilenweit entfernt“, weiß Kronthaler. „Vor allem jene Mütter, die ganz dringend Arbeit brauchen, geraten in den Teufelskreis zwischen Kinderbetreuung und Arbeitsplatz.“
Wenn eine Mutter beim AMS Arbeit sucht, muss sie einen Kinderbetreuungsplatz im Ausmaß von mindestens 16 Wochenstunden nachweisen. Kann sie das nicht, gilt sie nicht als „arbeitsfähig“ und hat damit auch keinen Anspruch auf Arbeitslosenunterstützung. Kronthaler: „Umgekehrt wird sie bei Kindergärten auf den Wartelisten häufig nach hinten gereiht, weil die Kinderbetreuung bei einer nicht arbeitstätigen Mutter nicht dringend ist.“
Am Arbeitsmarkt werden die Fähigkeiten von Müttern viel zu wenig geachtet, meint Kronthaler. Die Organisation einer Familie und eines Haushalts erfordere social skills wie Krisensicherheit, Flexibilität und Konfliktfähigkeit. „Müttern ist das oft selbst nicht bewusst.“
Minderjährige und junge Mütter, die ihre Ausbildung noch nicht abgeschlossen haben, können das nur unter großen Schwierigkeiten nachholen. „Um eine höhere Schule mit einem Baby im Arm zu bewältigen, braucht die junge Mutter enorm viel Unterstützung und viel Kraft.“ Noch schwieriger ist es für Lehrlinge. Ihr Lehrvertrag wird zwar automatisch unterbrochen. Die Mädchen müssen im Anschluss an die Karenz aber sofort Vollzeit arbeiten. Von der Möglichkeit der Elternteilzeit sind sie ausgeschlossen, weil sonst der Lehrauftrag nicht erfüllbar ist. Kronthaler: „Viele dieser Mädchen schaffen den Wiedereinstieg in die Lehre nicht und landen als ungelernte Hilfskräfte auf einem ohnehin knappen Arbeitsmarkt.“ Das wiederum, so Kronthaler, schmälere langfristig die Chancen ihrer Kinder auf eine fundierte Ausbildung.